Neue Energie: Wie mich ein Gewerkschafts-Workshop wieder lauter gemacht hat
Manchmal braucht es nur ein paar Stunden mit den richtigen Menschen, und plötzlich ist etwas wieder da, das man verloren geglaubt hat. Bei mir war das ein Workshop meiner Gewerkschaft zum Thema Social Media. Ohne ihn gäbe es diesen Blog nicht.
Der Anstoß für diesen Blog
Im Workshop haben wir gelernt, wie man Videos für Instagram, TikTok und die anderen Plattformen produziert: worauf es dabei ankommt und was die Schlüsselelemente sind, um in der Flut an Inhalten überhaupt Aufmerksamkeit zu bekommen. Denn gewerkschaftliche Themen sind wichtig, aber sie müssen die Menschen auch dort erreichen, wo sie heute unterwegs sind.
Irgendwann während des Tages war mir klar: Ich will nicht mehr nur zuhören und nicken. Ich will selbst schreiben. Ich will meine Gedanken zur Arbeitswelt nicht länger für mich behalten. Der Workshop hat mir den Mut gegeben, damit anzufangen. Das Ergebnis liest du gerade.
Junge Menschen, die vorangehen
Am meisten bewegt haben mich aber nicht die Inhalte, sondern die Menschen.
Ich habe junge Kolleginnen und Kollegen kennengelernt, manche noch im Gen-Z-Alter, die bereits als Betriebsratsvorsitzende ganze Betriebe vertreten. Sie stehen für Hunderte Beschäftigte ein. Sie sind stark und selbstbewusst, und viele von ihnen sind junge Frauen, die vorangehen, Verantwortung übernehmen und sich von niemandem kleinreden lassen. Und sie tun das mit einer Leidenschaft und einem Herz, die ansteckend sind.
Ich durfte an diesem Tag mit Menschen zusammenarbeiten, die intelligent und engagiert sind. Gemeinsam geben sie ihr Bestes, um den gewerkschaftlichen Gedanken in die jüngere Generation zu tragen.
Gegen ein altes Klischee
Viele haben ein ganz bestimmtes Bild im Kopf, wenn sie „Betriebsrat“ hören: den älteren Herrn, der über seine Seilschaften vor allem selbst gut dastehen will.
Dieses Bild ist nicht die Realität. Es gibt die engagierte Jugend, die sich eine Stimme verschafft, mit Herzblut, Leidenschaft und Verstand.
Man muss sie manchmal ein wenig suchen. Aber wer sucht, der findet sie. Und genau gegen dieses Stigma kämpfen diese jungen Menschen an, nicht mit Worten allein, sondern mit ihrer täglichen Arbeit.
Engagement, das weit über den Job hinausgeht
Was mich besonders beeindruckt hat: Diese Menschen setzen sich freiwillig ein, weit über das hinaus, wofür sie bezahlt werden. Oft müssen sie dafür kämpfen, auch an Tagen, an denen ihnen selbst die Kraft fehlt.
Eine Begegnung geht mir nicht aus dem Kopf. Eine junge Kollegin hat Kinder zu Hause und vertritt trotzdem Hunderte Kolleginnen und Kollegen. Sie bringt all das irgendwie unter einen Hut. Und dabei schafft sie es auch noch, gut auf sich selbst aufzupassen. Ihre ganz persönliche Burn-out-Prävention funktioniert offenbar, denn sonst wäre sie bei dieser Last längst ausgebrannt.
Davor habe ich größten Respekt.
Die Freude ist zurück
In meinem letzten Beitrag habe ich geschrieben, dass mich meine Zeit als Betriebsrat „stärker“ und manchmal auch „kälter“ gemacht hat. Das stimmt. Aber dieser Workshop hat etwas in mir wieder zum Leuchten gebracht.
Die Arbeit meiner jungen Kolleginnen und Kollegen hat mich wieder motiviert. Ich möchte mich wieder mehr einbringen. Ich möchte wieder lauter werden. Und vor allem ist eines zurückgekommen, das mir lange gefehlt hat: die Freude an dieser Arbeit. Die lasse ich mir nicht mehr nehmen.
Diese neue Energie stecke ich in ein gemeinsames Stärken der Arbeitnehmerbewegung. Nicht allein, sondern zusammen mit allen, die sich ebenfalls einsetzen, so wie die jungen Kolleginnen und Kollegen aus dem Workshop. Und vielleicht auch bald wieder als Betriebsrat: nicht im Vorsitz, sondern dort, wo ich am liebsten bin, vor Ort bei der Belegschaft.
Danke
An alle, die an diesem Workshop teilgenommen und ihn gestaltet haben: Danke. Ihr habt mir gezeigt, dass die Zukunft der Gewerkschaftsbewegung in guten Händen ist. Und ihr habt mich daran erinnert, warum ich überhaupt angefangen habe.
Wir sehen uns, und ihr hört von mir. Ab jetzt wieder etwas lauter.
Das ist die Fassung in Einfacher Sprache.
Worum es geht
Ich war bei einem Workshop. Ein Workshop ist ein Kurs, in dem man gemeinsam arbeitet und lernt. Meine Gewerkschaft hat den Workshop gemacht. Das Thema war Social Media. Social Media sind zum Beispiel Instagram oder TikTok.
Warum es diesen Blog gibt
Im Workshop haben wir gelernt: So macht man Videos für Instagram und TikTok. Und so schauen viele Menschen hin. Da habe ich gedacht: Ich will selbst schreiben. Der Workshop hat mir Mut gemacht. Deshalb gibt es jetzt diesen Blog.
Junge Menschen mit viel Kraft
Beim Workshop habe ich junge Menschen getroffen. Manche sind noch sehr jung. Trotzdem leiten sie schon einen Betriebsrat. Sie vertreten Hunderte Kolleginnen und Kollegen. Viele von ihnen sind Frauen. Sie übernehmen Verantwortung. Sie sind stark und mutig. Sie machen ihre Arbeit mit viel Herz.
Ein falsches Bild
Viele Menschen denken so über einen Betriebsrat: Das ist ein älterer Mann. Er will vor allem selbst gut dastehen. Das stimmt nicht. Es gibt viele junge Menschen, die sich für andere einsetzen. Man muss sie nur suchen.
Mehr als die normale Arbeit
Diese jungen Menschen helfen anderen freiwillig. Dafür bekommen sie kein extra Geld. Manchmal sind sie selbst sehr müde. Sie machen trotzdem weiter.
Eine junge Frau hat mich besonders beeindruckt. Sie hat Kinder. Sie vertritt Hunderte Kolleginnen und Kollegen. Das ist sehr viel Arbeit. Trotzdem passt sie gut auf sich selbst auf. So wird sie nicht krank vor Erschöpfung. Das finde ich toll.
Meine Freude ist zurück
Früher war ich oft enttäuscht. Jetzt habe ich wieder Lust auf diese Arbeit. Ich will mich wieder mehr einsetzen. Ich will wieder mehr sagen. Die Freude ist zurück. Die will ich behalten.
Meine Kraft setze ich jetzt ein. Ich will, dass die Arbeitnehmer stärker werden. Gemeinsam mit anderen. Vielleicht werde ich wieder Betriebsrat. Aber nicht der Chef. Ich bin lieber direkt bei den Menschen.
Danke
Danke an alle beim Workshop. Ihr habt mir gezeigt: Die Gewerkschaft hat eine gute Zukunft. Ihr werdet wieder von mir hören.
This is the English translation (British English) of the original German post.
Sometimes all it takes is a few hours with the right people, and suddenly something you thought you had lost is back. For me, that was a workshop run by my trade union on social media. Without it, this blog would not exist.
The spark for this blog
At the workshop, we learnt how to produce videos for Instagram, TikTok and the other platforms: what really matters and what the key elements are for grabbing attention amid the flood of content. Trade union issues are important, but they also have to reach people where they spend their time today.
At some point during the day, it became clear to me: I no longer want to just listen and nod. I want to write myself. I no longer want to keep my thoughts about the world of work to myself. The workshop gave me the courage to start. You are reading the result.
Young people leading the way
What moved me most, though, was not the content but the people.
I met young colleagues, some of them still Gen Z, who already represent entire workplaces as chairs of their works councils. They stand up for hundreds of employees. They are strong and self-assured, and many of them are young women who lead from the front, take on responsibility and refuse to let anyone talk them down. And they do it with a passion and heart that are infectious.
That day, I had the privilege of working with people who are intelligent and committed. Together, they are doing their very best to carry the trade union idea to the younger generation.
Against an old cliché
Many people have a very particular image in mind when they hear “works council”: an older man who mainly uses his old-boys’ network to make himself look good.
That image is not reality. There is a committed younger generation making its voice heard, with heart, passion and good sense.
Sometimes you have to look for them a little. But if you look, you will find them. And it is exactly this stigma that these young people are fighting, not with words alone, but through their everyday work.
Commitment that goes far beyond the job
What impressed me most was this: these people get involved voluntarily, far beyond what they are paid for. They often have to fight for it, even on days when they themselves are running out of strength.
One encounter has stayed with me. A young colleague has children at home and still represents hundreds of colleagues. Somehow she manages to juggle it all. On top of that, she still manages to look after herself. Her own personal burnout prevention clearly works, because otherwise, with a load like that, she would have burnt out long ago.
I have the utmost respect for that.
The joy is back
In my previous post, I wrote that my time as a works councillor had made me “stronger”, and sometimes “colder”. That is true. But this workshop rekindled something in me.
The work of my young colleagues has motivated me again. I want to get more involved again. I want to be louder again. And above all, something I had missed for a long time has come back: the joy of this work. And I am not going to let it slip away again.
I am putting this new energy into strengthening the labour movement together. Not on my own, but alongside everyone else who is committed to it, just like the young colleagues from the workshop. And perhaps soon as a works councillor again: not in the chair, but where I like to be most, on the ground with the workforce.
Thank you
To everyone who took part in and shaped this workshop: thank you. You showed me that the future of the trade union movement is in good hands. And you reminded me why I started in the first place.
See you soon, and you will be hearing from me. A little louder from now on.
